, WIMA Deutschland TEAM

Verena, unsere ehemalige Präsidentin reiste in die Ukraine um Flüchtlinge nach München zu bringen... ihren Bericht könnt ihr hier lesen....

Meine Reise an die ukrainisch Grenze

Am Donnerstag, 24.02.2022 begann der Angriff auf die Ukraine und plötzlich spürte ich es: Meine europäische Seele war krank. Es gab für mich keine anderen Worte als diese, um das unfassbare auszusprechen. Und, mir war klar, ich musste etwas tun. Geld spenden und auf Demonstrationen zu gehen reichte mir nicht mehr. Also beschloss ich an die Grenze zu fahren und Menschen aus der Hölle heraus zu helfen und sie an einen friedlichen, sicheren Ort zu bringen, vorzugsweise nach München, wohin ich ja zurück musste.

Am Samstag, 26.02. ging ich zur Solidaritätsdemo für die Ukraine am Stachus in München und knüpfte Kontakt zur LGBTQI Community, die schon seit 10 Jahren die Queer Kiew Community unterstützt. Ich bekam einen email Kontakt von einer internationalen Koordinatorin und fing an ihr zu schreiben, dass ich aus München komme, am Wochenende von 04.-06.03.2022 an die ukrainische Grenze fahren werde und ob sie Menschen kennt, die ich mit zurück nehmen kann. Gleichzeitig startete ich einen Aufruf in facebook und in meinem what’s app Status, dass ich einen Frauen Auto Konvoi von München an die Grenze organisieren will und Mitstreiterinnen bzw. Mitfahrerinnen suche.

Als erstes meldete sich ein Bekannter von mir aus Wien, der als Kameramann arbeitet und fragte mich, ob er mir helfen können und ob er mitfahren dürfe. Klar, sagte ich, jede Hilfe wird gebraucht, also waren wir schon Zwei. Dann kam die WIMA hinzu und ich wurde in eine internationale Solidaritätsgruppe für die WIMA Ukraine via what’s app aufgenommen. Nach und nach kamen Chris (Christina Bäumer) und Laura aus Wien hinzu und dann noch Dom (Dominique) und Francoise aus Frankreich. Somit waren wir 4 Autos 3 Pkw’s und ein Camper (F).

In meinem privaten Umfeld machte es auch die Runde und plötzlich bekam ich Geld für die Reise und meine Auslagen. Ich hatte das nicht gewollt und auch nicht beabsichtigt und versprach, das Geld für die Reise auszugeben. Eine befreundete Ärztin packte mir noch ein paar Medikamente und Proviant dazu. Ich fuhr zur ukrainisch-griechisch-katholischen Kirche in München und nahm ein paar Pakete für die Grenze mit. Am Freitag, 04.03. um 12 Uhr fuhr ich aus München los Richtung Wien zu meiner ersten Übernachtung. Eine Freundin, die einen Kameraverleih in Wien hat, stellte mir ihr Appartement zur Verfügung, das sie normalerweise vermietet.

Am nächsten Morgen traf ich mich an einer Tankstelle mit Hannes aus Wien, Chris und Laura aus Wien und Dom und Francoise aus Frankreich. Um 7 Uhr ging es los Richtung Slowakei zur ukrainischen Grenze. Wir haben uns für die Slowakei entschieden, da wir alle von der ungarischen Grenze, aus verschiedenen Quellen, nicht Gutes hörten. Es lag ein weiter Weg vor uns und wir hatten nur eine ungefähre Ahnung, wo wir hin wollten. Doch der Weg ist das Ziel und das Ziel konkretisierte sich.

Als wir Kosice in der Slowakei erreichten, dachte ich, wir haben es geschafft, aber es lagen noch mind. 1 ½ Sunden Fahrt vor uns. Die Grenze hieß Vysne Nemecke. Um 16.40 Uhr kamen wir an und fuhren an einem langen, stehenden Konvoi von 40-Tonnen Trucks vorbei und auf der anderen Straßenseite an den privaten Pkw’s. Die Trucks hatten Hilfsgüter für die Ukraine und die Pkw’s hatten Spenden dabei und wollten Leute mit zu rück nehmen. Wir luden unsere Spenden in einen bereit stehenden Lkw und parkten dann.

Von der Grenze kamen Menschen mit Koffern, Plastiktüten und nur den Habseligkeiten, die sie auch tragen konnten. Sie waren auf der Flucht vor dem Krieg in ihrem Heimatland. Zwei Hubschrauber waren nebenan auf dem Acker und transportierten Medikamente und Menschen. Dann machten Hannes und ich uns auf den Weg. An der Grenze war eine Zeltstadt aufgebaut von BRK und Malteser. Essen und Getränke für die Flüchtenden, Ruhezelte und viele Menschen und noch mehr fremde Sprachen. Ukrainisch, Slowakisch, Englisch, Ungarisch und auch Deutsch.

Zwei Deutsche Helfer sagten uns, wir sollten uns im Malteserzelt registrieren lassen, welches Fahrzeug wir haben, wieviel Personen wir transportieren können und wieviel wir mitnehmen könnten. Also ließ ich mich registrieren. Just in in diesem Moment sprach mich eine Helferin an, wieivel Personen ich bis wohin mitnehmen könnte, Ich sagte max. 3 bis nach München. Dann sagte sie, sie hätte 2 Frauen und 3 Kinder, aber das lehnte ich ab. Dann fragte sie, 1 Frau und 1 Kind und ich sagte Ja. Sie deutete auf eine Frau neben mir, die ich, aufgrund der vielen Menschen um mich herum, nicht wahr nahm.

Ich drehte mich zu ihr und sagte, Ja, das ist okay. Es stellte sich heraus, Sie heißt Albina und der Sohn Roman und sie spricht englisch. Daraufhin fragte ich Albina auf englisch, ob sie sicher sei, dass sie mit mir nach München, also über 1.000 Kilometer fahren möchte und sie sagte: Ja, Deutschland klingt gut und von München hat sie auch schon gehört. Ich rief eine Bekannte in München-Riem an, ob sie Platz hätte und sie sagte zu.

Ich sagte zu Albina und Roman, okay, lasst uns aus dem Gewühl rausgehen und ich fragte sie, was sie als nächstes machen möchte. Sie sagte, Roman sei müde und ich schlug vor, dass wir in Michalovka in einem Hotel übernachten könnten, dass ich für alles Kosten aufkommen würde und sie sagte Ja, das klingt gut. Sie hatte ein Mini-Sporttasche, eine Plastiktüte mit persönlichen Sachen und eine kleine Tüte mit Reiselebensmitteln dabei und wir gingen Richtung Auto. Auf dem Weg dahin fragte uns ein Helfer, ob er uns tragen helfen könnte, ich sagte Ja, er nahm die Sachen und wir gingen zum Auto. Er bedankte ich bei mir und wünschte uns alles Gute.

Ich packte die Beiden ins Auto und wir fuhren ins 30 Kilometer entfernte Hotel. Sie hatten 2 Zimmer für uns. Zu Dritt trafen wir uns dann beim Abendessen. Chris und Freundin kamen auch hinzu und wir aßen zu Abend. Dann gingen alle auf ihr Zimmer. Ich war so aufgewühlt, dass ich nicht schlafen konnte und überlegte noch einmal, ob das alles richtig ist und wie es weiter geht. Nach 1 Bier schlief ich auch ein. Am nächsten Morgen trafen wir uns zum Frühstücken, Albina, Roman und ich.

Ich sprach noch mit einigen Deutschen, die auch zur Grenze fuhren, um Flüchtlinge abzuholen. Ein nettes Ehepaar aus NRW erzählte mir ihre Geschichte, auch sie nahmen Menschen mit nach NRW. Dann traf ich auf eine Gruppe, etwas planloser Männer, sprach mit ihnen und sagte ihnen, dass sie zur Grenze fahren sollten, sich registrieren lassen sollten und Menschen mitnehmen sollten. Sie waren dann zuversichtlich und überzeugt, wichtig war, dass sie nicht alleine zurück fahren würden. Und, wir Drei machten uns dann 1.000 Kilometer Richtung München auf den Weg. Viel über die Autobahn und einen Abstecher in ein schneereiches Tal mit Holzhütten und Skiorten, das sah sehr schön aus und war eine gute Abwechslung zur Autobahn. Leider bekamen Roman die Kurven nicht so gut. Wir hielten an und machten eine Schneeballschlacht.

Dann ging es weiter und wieder auf die Autobahn über Bratislava zurück nach Österreich. Alle 2 – 2,5 Stunden machten wir Pause. An der Grenze wurden wir gefragt, ob wir weiterfahren würden. Ich sagte ja, bis nach München. Der österreichische Grenzbeamte wünschte uns gute Fahrt und winkte uns durch. Irgendwann bei Salzburg wurde es dann schon dunkel. Wir sind um 20.44 Uhr in München-Riem bei Annette angekommen. Sie empfing uns sehr freundlich, zeigte Albina und Roman alles und vor allem ihr eigenen Zimmer. Nach 1 Stunde fuhr auch ich dann nachhause. Waren ja nur 1-2 Kilometer Luftlinie.

Und jetzt sind sie in einem sicheren, zukunftsträchtigen Land und Roman hat die Chance in Frieden aufzuwachsen. 

Verena Reindl

Kennzeichnung des WIMA Fahrzeuges

An der Grenze - auf dem Weg
zur Zeltstadt

Verladung der Hilfsgüter an der Grenze Slowakei-Ukraine... ich hatte Hilfsgüter der ukrainischen
Kirche in München dabei

Albina & Roman aus Odessa beim Eisessen in Trudering