Australien 2015

No worries

Anfangs war es nur ein Spaß zwischen Katja und mir gewesen, zusammen zur WIMA-Rally nach Australien zu reisen. Wer hat noch nie von Australien geträumt? Und der Gedanke, dort zusätzlich mit Frauen aus der ganzen Welt Motorradfahren zu können, wirkte ebenso verlockend wie angenehm verrückt.

Und so fühlte ich mich dann auch - etwas verrückt - als wir tatsächlich die Flüge buchten. Es folgten Monate voller Vorfreude und Reiseplanung, ich las Bücher und Blogs über das Land und versuchte, jedes wichtige Detail im Vorfeld zu klären. Wir mieteten ein kleines Wohnmobil mit dem wir zwei Wochen lang von Melbourne nach Sydney und wieder zurück fahren wollten. Anschließen sollte eine Woche WIMA-Rally mit zwei Leihmotorrädern.

Melbourne, Montag den 19. Oktober 2015

Motorräder abholen

An einem sonnigen Montagmorgen erreichten wir Garners, unseren Motorradverleih in Melbourne. Vor der Tür warteten, synchron in einer Reihe aufgestellt, viele Maschinen auf die Frauen, die sie reserviert hatten. Drum herum wuselten diese aus den unterschiedlichsten Ländern, bepackt mit riesigen Rollkoffern und Reisetaschen. Vor dem Tresen hatten sich zwei Schlangen für die Motorradausleihe gebildet. Zwei Garners-Mitarbeiter bereiteten Verträge vor und belasteten Kreditkarten bis aufs Äußerste. Drei oder vier weitere Mitarbeiter waren emsig damit beschäftigt, Leihkleidung herauszugeben, Motorräder zu erklären, hinauszuschieben, anzumachen, Koffer und Navigationsgeräte zu montieren oder mal wieder zu zeigen, wo sich die Toilette befand.

Nervös wartete ich darauf, an die Reihe zu kommen. Ob alles geklappt hat mit der Reservierung und Bezahlung? Der Verleiher wollte, um Verzögerungen am Verleihtag zu vermeiden, den Mietbetrag plus Kaution ein paar Tage vorher von der Kreditkarte einziehen. Bei größeren Beträgen von anderen Kontinenten reagieren Banken – zu recht – gern etwas panisch und wollen sich diese gegebenenfalls telefonisch bestätigen lassen. Bei einer Zeitverschiebung von 10 Stunden nicht unbedingt ein leichtes Unterfangen.

Endlich waren wir an der Reihe. Mein Name stand auf der Liste der Reservierungen (puh!) und die füllige Frau hinter dem Tresen hakte mich und meine reservierte Ducati Monster ab. Ich unterschrieb das Kleingedruckte und bekam das Kartenterminal herüberschoben. Ups, doch erst jetzt bezahlen? Mit PIN??? Erwähnte ich schon, dass ich meine Kreditkarte fast nie benutze und wenn kaufe ich damit nur online ein? Die PIN nutzte ich noch nie und da Garners im Vorfeld schon abbuchen wollte, hatte ich nicht erwartet, dies zu müssen.

Mit klopfendem Herzen tippte ich die vier Ziffern, die trotz Aufregung noch im Gedächtnis verfügbar waren und hoffte, dass es funktioniert. Mein Hirn ratterte die möglichen Alternativszenarien durch, fand aber keine. So viel Geld, 700 Euro Verleih plus 1600 Euro Kaution, würde ich nicht mal einfach so von meiner EC-Karte abholen können.

APPROVED vermeldete das kleine Bezahlterminal mitten in meine aufkeimende Panik und der Stein, der mir in diesem Moment vom Herzen fiel, dürfte bis Deutschland zu hören gewesen sein.

No worries, wie der Australier gerne bei jeder Gelegenheit zu sagen pflegt. Alles wird gut!

Nun war Katja mit den Verleihformalitäten an der Reihe. Leider war die von ihr gebuchte Hornet kürzlich verunfallt, so musste sie wohl oder übel mit einer Fazer vorlieb nehmen. Alternativen waren nicht vorhanden, Garners war restlos ausgebucht.

Katjas Karte vermeldete ebenfalls ein erleichterndes „OK“ und nun warteten wir, bis einer der Angestellten Zeit fand, uns mit unseren Fahrzeugen bekannt zu machen. Ich trank einen der in Australien fast unvermeidlichen, grausamen Instantkaffees und beobachtete das Treiben um uns herum. Katja lieh sich derweil einen Helm, welcher in ihrer kleinen Größe aber erst nach leichter Panik bei ihr und längerem Suchen durch den Garners Mitarbeiter aus den staubigen Tiefen des Lagers gezogen wurde. Ich war froh, meinen eigenen Helm und meine eigene Kleidung dabei zu haben. Die Frauen, die sich Leihkleidung mieteten, waren nicht unbedingt zufrieden damit – die Klamotten stanken erbärmlich.

Nach einer halben Ewigkeit hatten wir unsere Maschinen samt großer Packtasche erhalten und erklärt bekommen, das Gepäck umgeladen und verzurrt und alles für die WIMA-Woche überflüssige bei Garners zwischengelagert. Ein netter Mann schob meine Monster aus dem Laden bis runter auf die Straße.

Auf nach Phillip Island

Ursprünglich wollte ich uns aus der 5 Millionen Einwohner Großstadt hinaus nach Phillip Island, dem Ort des WIMA-Treffens an der Südküste Australiens, navigieren. Wie Zuhause hatte ich dafür meinen kleinen Magnet-Tankrucksack mit Navi-Fenster dabei. Was ich dabei nicht bedachte, war der Umstand, dass meine süße, kleine, wunderschön blubbernde Ducati einen PLASTIKTANK hat! Katjas Fazer hatte einen Metalltank, und so musste sie uns nun wohl oder übel mit dem für sie fremden GPS-Gerät aus der Stadt hinaus führen.

Wie gut, dass wir schon zwei Wochen australisches Linksverkehrstraining hinter uns hatten und wussten, dass die Australier nette und rücksichtsvolle Autofahrer sind. Mit den ungewohnten Maschinen samt Beladung, den fremden Kupplungs- und Bremspunkten kämpfend, holperten wir die ersten Kilometer durch den Melbourner Berufsverkehr, bis das Fahren langsam zur Gewohnheit wurde.

Nach einer halben Stunde machten wir eine Rast. Ich war schweißgebadet, was nicht nur an den Temperaturen und dem ungewohnten Fahrzeug lag, sondern obendrein daran, dass die Monster bei langsamer Fahrt und warmem Wetter unangenehm heiß im Bereich der Fahrerbeine wird.

Im Oktober ist in Australien Frühling, was hier, im recht gemäßigten Klima im Süden Australiens Temperaturen von minimal etwa 8 Grad nachts und irgendwas zwischen 15 und 30 Grad tagsüber bedeutet. Heute hatten wir Sonnenschein bei 25 Grad. Und die Dusche lag noch in weiter Ferne…

Die etwa 150 km bis zum Veranstaltungsort der WIMA, dem Shearing Shed auf Phillip Island, waren, nachdem sich der erste Fahrstress gelegt hatte, eher langweilig. Anfangs drei- bis vierspurig wurde die Straße später schmaler und führte über plattes, grünes Land und durch kleine, unscheinbare Örtchen. Ohne den Linksverkehr und die häufig großen SUVs, die das Straßenbild hier prägen, hätten wir genauso an einem beliebigen anderen Ort sein können, gäbe es da nicht am Straßenrand viel zu häufig Kadaver von Tieren, die ich lieber lebendig sehen möchte. Kängurus, Wombats und anderes Getier in unterschiedlichsten Verwesungstadien sind keine gute Werbung für dieses Land.

Kurz bevor wir das Meer und Phillip Island erreichten, wurde die Landschaft wunderschön. Es gab eine Anhöhe, von der aus wir einen weiten Blick über das Meer auf die Insel und die geschwungene Brücke hatten, die das Festland mit ihr verband. Ich konnte ich mich gar nicht entscheiden, ob der Anblick nach rechts oder nach links schöner war und freute mich, die nächste Woche auf diesem schönen Stück Erde bleiben zu können.

Phillip Island ist eine etwa 100 qm große Insel und gehört zu den meistbesuchten Attraktionen Australiens. Hier findet man neben einer wundervollen Steilküste auf engstem Raum Pinguine, Robben und Koalas. Außerdem gibt es die „Phillip Island Circuit“ Rennstrecke. Kurz vor dem WIMA-Treffen hatte dort die MotoGP stattgefunden, bei der einige von den WIMA-Frauen mitgeholfen haben.

Das Shearing Shed

Die Einfahrt vom Shearing Shed hätten wir beinahe verpasst und mit einer gewissen Restunsicherheit (später hatte jemand draußen eine WIMA-Flagge angebracht) schlichen wir den Schotterweg hinauf, ängstlich beäugt von ein paar ungewohnt aussehenden Gänsen Am Ende des Weges parkten Motorräder und ein Pappschild wies uns den Weg zur WIMA-Anmeldung, wir waren richtig!

Es gab ein großes Gebäude, in dem sich in einem rustikalen Raum Restaurant und Bar befanden, sowie eine Menge Frauen in lila WIMA-Shirts. Eine große, runde Frau mit einem breiten Lächeln nahm uns in Empfang. Wir standen auf der Gästeliste, was mich – geborener Pessimist – mal wieder beruhigte. Mit einer gefüllten Begrüßungstasche (lila), All-Inklusive-Armbändchen (lila), Namensumhängeschildchen (lila) sowie Wima-Shirts (natürlich in lila) folgten wir Carol aus Neuseeland zur Besichtigung der Örtlichkeiten. Sie zeigte uns das Gästehaus mit einem 20 Bett Zimmer. Es waren noch jede Menge davon frei und es sah aus, wie ich mir Kinderheime aus den frühen Jahren des letzten Jahrhunderts vorstelle. Ein großer, düsterer Raum voller Betten, nicht viel mehr. Kurz stellte ich mir den Trubel vor, wenn hier so viele Frauen herumlaufen, morgens zu früh, abends zu spät und die womöglich alle schnarchen? Ne, das gefiel uns nicht.

Die Alternative war ein Bett in einem der beiden 9-Bett-Container. Dort standen 4 Etagenbetten sowie ein einzelnes unter einem Fenster, dazu noch ein Tischchen samt Stuhl. Und schon waren die Container voll, ohne das noch Frauen, ihr Gepäck sowie Motorradsachen drin wären. Egal, besser als der 20 Betten Raum! Die unteren Etagenbetten waren schon belegt, das Einzelbett nahm sich Katja, also blieb mir nur die Kletterpartie ohne Leiter über das Metallgestell hinauf auf eines der oberen Betten.

Die Matratze war arg weich und durchgelegen. Die nächsten 6 Nächte schlief ich halb auf dem Lattenrost im durch das Metallbett perfekt übertragenen Vibrieren des Schnarchens der unten Schlafenden. Ich wünschte mir in den nächsten Tagen häufig, dass ich mein Zelt doch noch irgendwie in meine Reisetasche hineinbekommen hätte...

Die Mehrfach-Steckdosenleiste auf dem Tisch verhieß Strom für Handy, GPS und ähnliches, was mich Technikfreak sofort begeistert alle möglichen Akkus aufladen ließ. Im Laufe der nächsten Tage gab es um die Steckerplätze kleinere Grabenkämpfe.

Draußen brummten Motorräder. Ein Geräusch, was uns die nächsten Tage nicht wieder loslassen würde. Genau wie das vielsprachige Geschnatter aus allen Ecken und Enden vom Shearing Shed. Letzteres bestand neben dem Restaurant mit Bar aus einem Toilettenhäuschen mit Duschen und einer Handvoll weiterer Container, in denen wir im Vorfeld ein Bett in einem 2- oder 4-Bett-Containerabschnitt hätte buchen können. Weiterhin gab es einen großen Parkplatz, der sich nach und nach mit Motorrädern und Wohnmobilen füllte, sowie einen Sportplatz mit einem einsamen Igluzelt und dem schon erwähnten Gästehaus mit dem 20-Betten-Raum. Dies alles wurde umrahmt von Blumenbeeten und -kübeln und dekorativ aufgestelltem, rostigen Metallschrott aus vergangenen Farmerzeiten, sowie einem kleinen Gärtchen mit Teich, der in der Dunkelheit stimmungsvoll beleuchtet wurde.

Auf dem Veranstaltungsplan war für den ersten Abend ein Welcome-Dinner angekündigt. Allerdings, wie bei allen Programmpunkten, ohne Uhrzeit und nicht nur wir versuchten nicht nur bei diesem Programmpunkt erst mal erfolglos herauszufinden, wann es denn nun losgehen würde. Aber hier bemerkte der straff organisierte Deutsche deutliche Unterschiede zum australischen Wesen. „No worries, no problem, no drama“. Man ist hier entspannter. Weswegen der Programmpunkt einer Rally auch gar nicht erst vorhanden war.

Manch einem ging dieses „australische“ gegen den Strich und hin und wieder hätte ich es ebenfalls schön gefunden, Termine nicht immer per Nachfragen oder stille Post erfahren zu haben. Aber ein bisschen ansteckend ist diese Gelassenheit schon und ein bisschen fehlt mir derartiges durchaus in meinem Wesen. Außerdem waren wir zum Spaß hier!

Welcome-Dinner

Die Tische am Abend waren zum Welcome-Dinner mit Länderfahnen eingedeckt, die Wände mit ebensolchen dekoriert und die Bedienung servierte uns erstklassiges Essen. Die Freundlichkeit der Mitarbeiter schwankte hingegen stark, was ich deutlich zu spüren bekam, als ich ungewollt einen Teller mit Fisch vor die Nase geworfen bekam mit den englischen Worten, dass irgendwer auch Fisch essen müsse. Ähm, das mag ja sein, aber ich HASSE Fisch. Und tauschte dankbar mit einem netten Hamburger gegen Rinderfilet. Das Essen war erstklassig!

Nach dem Essen folgten die offizielle Begrüßung und die Ländervorstellungen. Wir waren ungefähr 80 Frauen aus 13 Nationen, wobei zu meiner Verblüffung relativ viele Frauen aus Japan – samt eines Anstandsmannes – dabei waren. Außerdem einige Frauen aus Estland (dort findet das WIMA-Treffen in 2 Jahren statt) und sogar eine aus den USA und eine aus Indien, die zur Zeit gar keine WIMA-Gruppe haben, aber vielleicht wieder eine gründen wollen.

Wir saßen an diesem Abend noch lange zusammen, bis ich mich leise in den dunklen Container schlich und zu meinem Bett durchtastete. Vorsichtig kletterte ich über das Metallgestell hoch um die unten Schlafende nicht zu wecken. Beim Einschlafen stellte ich verwirrt fest, dass ich an diesem Morgen noch im Camper aufgewacht war, mit dem Katja und ich zwei Wochen durch Australien reisten, und seit dem eine unglaubliche Menge an Eindrücken von Garners bis Phillip Island erlebt und Menschen vom beinahe gesamten Erdball kennengelernt habe.

Die erste Ausfahrt

Ich schlief schlecht ein, schlecht durch und verließ schon vor 7 Uhr meine durchgelegene Matratze. Frühstück gab es erst ab halb acht was meinen unterversorgten Koffeeinspiegel jammern ließ. Als es endlich so weit war, musste ich zu meinem Entsetzen feststellen, dass es statt echtem Kaffee nur heißes Wasser mit Instantkaffee gab. IEHGITT! Fast wäre ich so weit gewesen, anstelle meines geliebten Morgenkaffees Tee zu trinken, aber so tief wollte ich dann doch nicht sinken. Ich brachte meinen Koffeeinpegel widerwillig mit mehreren Zucker-Instantkaffee-Milchmischung auf ein Mindestmaß und freute mich nun jeden Morgen auf die Ausfahrten, bei denen ich irgendwo richtig guten Kaffee kaufen würde.

Das Frühstück in Buffetform war nicht mein Fall. Labberiger Bacon, wabbeliges Rührei, heiße, manchmal überbackene, Tomatenscheiben, manchmal noch Pilze oder Schlimmeres. Dazu Butterpäckchen, Margarinepäckchen, Marmeladenpäckchen, Cornflakespäckchen, Weißbrot und Toaster. Ich war froh für die ersten Tage noch Reste meines Müslis dabei zu haben.

Nach dem Frühstück trafen uns zur ersten Ausfahrt. Grinsend bemerkte ich im Wust der brummenden Motoren eine kleine Australierin die mit ihrem Mann und ihren zwei kleinen Kindern angereist war, und ihr jüngeres schnell noch, für die Ausfahrt bereits angezogen, auf das Motorrad gelehnt, stillte. Wenn Frauen Motorrad fahren … :)

Meine Monster sprang artig an, aber nachdem ich sie kurz noch mal ausmachen musste, zickte sie herum. Nach diversen Anlassversuchen lief sie zwar wieder, kommentierte ihre Unwilligkeit dafür über ein gelbes Warnlicht. Da sie sonst ordnungsgemäß zu funktionieren schien, bemühte ich mich, die Lampe zu ignorieren und überlegte nur angestrengt, wo ich die Visitenkarte des Verleihers hingesteckt hatte. Die brauchte ich zum Glück nicht, nach dem nächsten Anlassen war das Warnlicht wieder aus.

Das erste Ziel dieser Ausfahrt war ein botanischer Garten. Wenn Frauen Motorrad fahren? Aber gut, es versprach immerhin Kaffee und eine Motorradausfahrt. Letztere war für meine Begriffe jedoch arg konfus. Es ging damit los, dass ein kleiner Teil der Gruppe vorne weg fuhr, der Rest den Hof des Shearing Shed nicht verlassen konnte, weil eine der Maschinen nicht starten wollte. Wir anderen warteten selbstverständlich, und als der Bock endlich lief, waren die ortskundigen Vorausfahrenden verschwunden. Wir fuhren hinterher, bogen an der ersten Kreuzung in die einzig logische Richtung und hofften an jeder Kreuzung, dass die führende Gruppe unser Fehlen bemerken und auf uns warten würde. Wir hatten die Insel längst verlassen, als endlich eine Gruppe Motorräder am Seitenstreifen sichtbar wurden. Weiter ging es nun in der ganzen Gruppe von mehr als 20 Motorrädern.

Vor mir fuhr eine lange Weile eine der Australierinnen, die mich mit einer gefährlich im Fahrtwind flatternden Stoff-Umhängetasche verwirrte. Ebenso wie das permanente, grundlose Überholen in der Gruppe sowie das Nichteinhalten der Geschwindigkeitsbegrenzung. In Australien ist zu schnelles Fahren extrem kostspielig, trotzdem fuhren wir, um den Anschluss nicht zu verlieren, bis zu 20 km/h über den erlaubten maximal 100 km/h.

Mir hat am botanischen Garten der Kaffee am besten gefallen. Ansonsten bin ich an Blumen nur wenig interessiert und war dank der kurzen, schlechten Nacht ziemlich müde. Nach den Blumen besichtigten wir einen einem Show-Bauernhof auf Phillip Island, wo wir zusehen konnten, wie ein armes Schaf geschoren wurde, ein Pferd streicheln und Bauernhoftiere angucken konnten.

Ländervorstellungen

Den letzten Programmpunkt der heutigen Ausfahrten, das Schokoladenmuseum, ließen Katja und ich weg. Stattdessen trafen wir uns am Shearing Shed mit den anderen deutschen Frauen um eine „Performance“ für den Abend zu üben. Wir malten eine große Deutschlandkarte auf Butterbrotpapier und jede der Frauen wollte – untermalt von textlich leicht modifizierten Lied „Was wollen wir trinken, sieben Tage lang“ - zeigen, aus welchem Teil Deutschlands sie komme.

Fokje, die einzige Teilnehmerin aus den Niederlanden, wurde kurzerhand von uns Deutschen immigriert, was obendrein gut zu dem Lied passte; es stammt von einer niederländischen Musikgruppe.

Die Ländervorstellungen am Abend erwies sich als ziemlich lustig. Die Japanerinnen begeisterten, bunt gekleidet und geschminkt, mit einem von einer Videoleinwand begleitetem, ungemein trashigen Tanz. Das Ganze schien von knallbunten Monstern mit Flatulenzen zu handeln, zumindest meinte ich, derartiges anhand des Videos verstanden zu haben. Sehr komisch!

Die Schweizerinnen sangen und tanzten in rosa Schlafanzughosen eine seltsam-interessante Choreografie, Neuseeland sang ein Volkslied, Finnland eine Art Kinderlied mit Bewegungsspiel. Dann kamen die beiden Damen aus Großbritannien auf die Bühne und erzählten so wundervoll detailreich die Geschichte einer Reise zusammen mit der Schweizerin, bei der sie auf einer kleinen Insel in einem seltsamen Frauencamp landeten. Ich sag nur: Dienstags! Das hatte durchaus Bühnenformat, ich lachte Tränen! Schweden trug den Sieg davon mit einem Kinderspiel, bei der das Publikum die Zunge gegen die Unterlippe drücken und eine englische Geschichte nachsprechen mit Gesten nachspielen sollte. Das schien Spaß zu machen, wie die Grimassenfotos nicht nur auf meiner Kamera beweisen.

Ich verschwand gegen halb elf Uhr nach draußen in einen seltsam warmen Sturm, der leider einen Wetterwechsel ankündigte. Whatsappte mit Zuhause, fotografierte den stimmungsvoll beleuchteten Garten und genoss die Stille sowie die zahlreichen Sterne am Himmel. Suchte diesen und einige andere Abende erfolglos nach den Geocaches vor dem Shearing Shed und fand weder diese noch die versprochenen, gefährlichen australischen Schlangen und Spinnen und leider auch sonst keine der nachtaktiven tierischen Landesbewohner.

Regenausfahrt zum Zoo

Am nächsten Morgen regnete es. Geplant war eine lange Tour nach Healesville in einen Zoo. Wer konnte, zog Regenkombis oder die leucht-orangen Jacken und Hosen der MotoGP über. Ich zog einfach so ziemlich alles, was ich an Kleidung dabei hatte, unter meiner weitestgehend regendichten Textilkombi – und fror bei 18 Grad und Regen trotzdem schon nach kurzer Zeit. Ich vermisste meine dicken Handschuhe, die Zuhause geblieben waren. In einem kurzen Anfall von Optimismus hatte ich beim Packen Ausfahrten bei derartigen Wetterbedingungen für ausgeschlossen gehalten.

Trotz des Wetters fuhren die meisten Frauen die Tour, die uns 2-3 Stunden durch den immer stärker werdenden Regen führte. Ich war froh um das ABS meiner Maschine und noch mehr darüber, dass niemandem etwas passierte. Die Strecke war zeitweise recht reizvoll, hübsch und kurvig, aber Moira, die Australische WIMA-Vorsitzende hatte uns schon am Vorabend vor den schlechten Straßen gewarnt. Schlechte, nasse Straßen auf Leihmotorrädern ist eine Kombination, die ich nicht so oft haben möchte und sie wurde noch davon übertroffen, dass sich der rechte Spiegel an meiner Ducati Monster löste. Irgendwann später an diesem Tag widmete sich eine Delegation bestehend aus einem hilfsbereiten Australier, Claudia und mehreren Umstehenden diesem Problem. Ich fand Bordwerkzeug unterm Sitz meines Motorrades, darin sogar den passenden Inbusschlüssel und zack … hatte Claudia meinen Spiegel in der Hand. Ratlosigkeit machte sich auf unseren Gesichtern breit und es wurde über ein kaputtes Gewinde sinniert, bis irgendjemand die Eingebung hatte, dass Motorradspiegel rechts gerne mal ein Linksgewinde haben (damit sie sich im Falle eines Sturzes in Löserichtung nach innen lösen und nicht das Gewinde überdreht wird). Nun war ich wieder ein bisschen schlauer und hatte vor allem wieder Sicht nach hinten; soweit ich auf der Monster diese haben könnte – die Spiegel empfand ich als störend klein und immer an der falschen Stelle. Dieser und der Wärmestau am Bein bei langsamen warmen Fahrten ist aber das Einzige, was ich an meinem liebenswerten, leuchtend roten Leihmotorrad bemängeln könnte. Wir zwei hatten viel Spaß auf den paar tausend gemeinsamen Kilometern, und ich bemerkte immer häufiger verwirrt, dass ich vergaß, gar nicht auf meiner eigenen Maschine zu sitzen - sondern auf einer, bei der ich im Unfallfall eine hohe Kaution bezahlen müsste.

Die Gruppenfahrt wirkte heute organisierter, war weniger schnell und wir Frauen sollten „Abbiegehilfen“ sein. An jeder Kreuzung, an der es nicht geradeaus ging, sollte die Frau, die direkt hinter der Führenden fuhr, stehen bleiben und die Gruppe in die richtige Richtung leiten.

Im Zoo wärmten uns erst mal an Kaffee, bevor wir feucht-fröstelnd durch die hier präsentierte, australische Tierwelt wanderten. Arme Koalas hatten sich im Regen schlafend auf ihren kleinen Bäumchen zusammengekauert und auch sonst wirkten die nassen Tiere ähnlich erbärmlich, wie ich mich in diesem Moment fühlte.

Dafür gefiel mir das Haus mit der Krankenstation. Hier sahen wir eine Frau mit einem Wombatbaby auf dem Arm. Es kommen viele Koalas, Kängurus und Wombats auf Australiens Straßen zu Tode, manch eines trägt aber noch lebende Babys in seinem Beutel, Joeys genannt. Tierschützer überprüfen regelmäßig die Kadaver und derartige Waisen werden von Freiwilligen aufgezogen.

Dies hätte mich innerlich etwas mehr wärmen können, wenn die Dingos paar Gehege weiter nicht mit Kängurufleisch gefüttert worden wären.

Wirklich gut gefiel mir die Vogelshow, bei der ich ein paar tolle Fotos von den dressierten Flugtieren machen konnte. Netterweise kam hier sogar ein wenig Sonne heraus, die uns ein klein wenig wärmte und trocknete.

Es gab außer uns irritierend viele Deutsche in dem Zoo. Schon am Eingang trafen wir auf eine Gruppe deutscher Jugendlicher. Australien scheint voller deutschsprachiger Menschen zu sein. Urlauber, Work-and-Travel-Leute, Ausgewanderte, sogar eine deutsche Schulklasse traf ich auf dem Flughafen.

Auf der regenfreien aber trotzdem bitterkalten Rückfahrt stürzte eine der Frauen beim Anfahren an einer Kreuzung in mitten einer kleinen Steigung. Ihr passierte nix, ihrer alten, blauen BMW passierte nix, aber der Pulk von Motorrädern verstopfte erst mal die Straße und es dauerte ein paar Versuche, bis ihre Maschine wieder ansprang. Die Autos dahinter warteten geduldig und stumm. Diese Gelassenheit wünsche ich mir für den Straßenverkehr in Deutschland.

Weiter ging es zu einem All-you-can-eat-Fleischbuffet und im Anschluss wir bei einsetzender Dunkelheit die letzten 40 Kilometer zurück zum Shearing Shed. Nachts zu fahren ist in Australien nicht ratsam, es gibt zu viele große, nachtaktive Tiere, wie die Tierleichen am Straßenrand leider eindrucksvoll beweisen. Somit fuhren wir immer langsamer, je dunkler es wurde und sahen tatsächlich Kängurus am Straßenrand stehen. Dank geliehener dicker und trockener Handschuhe war mir auf diesem Stückchen Fahrt immerhin weniger kalt als noch am Nachmittag!

Die Abendunterhaltung wurde im Gastraum von Elisabeths Gesang- und Gitarrenspiel untermalt, während Teile von uns, im Barbereich dicht an den Kamin gedrängt die Wärme genossen. An diesem waren diverse feuchte Schuhe, Handschuhe und Motoradkleidungsstücke zum Trocknen drapiert. Heizungen sind in diesem Land fast unbekannt, weil meistens unnötig.

Die Japanerinnen verteilten Origamizettelchen und falteten selbst die grazilsten Blumen und Tiere daraus, während wir Europäer nur abstürzende Flieger zustande brachten. Irgendwann schlief eine der Japanerinnen im Sitzen mit einem Origamizettel in der Hand ein. Sie wurde auch von den vielen auf sie gerichteten Handyblitzlichtern nicht wieder wach. Ein kleines Nickerchen später war sie aber wieder voll dabei und sang lauthals mit bei „Dancing Queen „.

Koalapark und Phillip Island

Auf dem offiziellen Programmzettel stand für heute, Donnerstag, eine selbstbestimmte Fahrt in den Wilson Promontory Nationalpark. Später sollte ein Barbecue im Shearing Shed folgen und anschließend könnten wir die Attraktion von Phillip Island bestaunen: die Pinguinparade.

Der Wilson Promontory Nationalpark ist wunderschön, zusammen mit den anderen beiden Tagesprogrammen wäre die weite Tour dorthin jedoch Hetzerei geworden. Des Weiteren waren wir wie auch die Motorradklamotten vom Vortag noch kalt und feucht. Katja und ich beschlossen, auf Phillip Island zu bleiben und zusammen mit zwei süddeutschen Frauen den örtlichen Koalapark und die Insel zu besichtigen. Immerhin etwas Motorradfahren! Bis zum Koalapark waren das erst mal aber nur ein paar hundert Meter. Eine ähnlich lange Strecke legten wir innen zu Fuß auf Holzstegen zurück um den einen und anderen niedlichen und superniedlichen, dösenden Koala auf den Eukalyptusbäumen zu fotografieren. Als Bonus gab es noch viele Vögel, darunter die in Australien überall in Massen vorkommenden Papageien und einige Kängurus, die im abgezäunten Bereich des Parks lebten.

Einen Kaffee später starteten wir zu der Inselrundfahrt über die gradlinig angelegten Straßen, welche die sehr rechteckigen Felder und Besiedelungen abgrenzen, vorbei an der MotoGP Rennstecke, wo heute leider nur Autos im Kreis fuhren, durch das kleine Städtchen Cowes, bis hin zur Südwestspitze der Insel, The Nobbies. Wetterbedingt verzichteten wir hier auf die Wanderung über den hölzernen Weg, der der um diesen Küstenzipfel erbaut worden ist und sahen den Seevögeln lieber aus dem warmen Innen eines Cafés zu. Weiter draußen auf dem Meer fuhr ein Touristenboot an Australiens größter Seerobbenkolonie vorbei, die sich vom Land aus leider nur mit einem guten Fernglas bewundern lässt.

Kalt war es, kaum 15 Grad, stürmisch mit Nieselregen. Trotzdem hielten wir auf der Inselrundfahrt überall an, wo es hübsch zu sein schien, fuhren keine 40 km und brauchten einen halben Tag dafür. Schön war es gewesen, hatte nach salzigem Meer, dem hier immer gegenwärtigen Eukalyptus und Frühlingsblumen gerochen! Ich litt allerdings leider auch im australischen Frühling an Heuschnupfen...

Die Pinguinparade

Im Shearing Shed wärmten wir uns am Kamin auf und bekamen ein wundervolles Barbecue. Anschließend wurden wir in zwei Busse gestopft und - untermalt von vielsprachigem Geplapper - zur Pinguinparade gefahren. Hier standen bereits mehr als ein Dutzend Reisebusse auf dem Parkplatz, der locker das Dreifache fassen konnte. Eine Menschenparade schob sich durch den Eingang des Gebäudes, an den Touristenshops vorbei, wieder ins Freie und runter zum Strand. Dort gab es Sitztribünen für ein paar hundert Menschen, große Scheinwerfer erhellten den Strand vor uns. Fotografieren war mit Rücksicht auf die kleinen Pinguine verboten und die Einhaltung dieses Verbotes wurde streng überwacht.

Und da saßen wir Motorradfrauen nun in dem kalten Wind, die meisten von uns in der winddichten, dicken Motorradkleidung, bis zur Nase in Schals und auf dem Kopf Mützen und Kapuzen: Es dämmerte. Draußen auf den Wellen sahen wir kleine dunkle Schatten. Die Pinguine? Und einen großen, dunklen Schatten. Der Feind, eine Robbe? Am Himmel kreischten viele Möwen, wir Menschen waren nicht die einzigen, die auf das Erscheinen der hier lebenden Pinguine warteten. Und dann kam endlich der erste. Aber nicht wie erwartet um vom Wasser aus um in schützender Dunkelheit sein Ei an Land zu bebrüten – der kleine Rebell kam vom Land und ging ins Wasser! Vielleicht hatte er aber auch nur das OK gegeben, dass am Land alles klar war, weil kurz danach die ersten zwei, drei, vier, und dann immer mehr Pinguine am Strand landeten, sich zu einer Gruppe sammelten und - leicht vornüber gebeugt - vorsichtig in Richtung Land watschelten. Nach dieser Gruppe folgte bald die nächste und so ging es viele hundert Pinguine lang. Ab und an erschrecke sich eine dieser Gruppen, was immer damit begann, dass einzelne Pinguine zurück rasten und dann die ganze Gruppe geschlossen zurück ins sichere Wasser stürmte. Meistens trödelte noch ein einzelner Pinguin hinterher. Süß! :)

Als wir später vom Strand zurück zum Bus gingen, sahen wir die Pinguine auf den Dünen herumstolpern. Es roch dort oben nicht nur nach salzigem Meer sondern ein wenig fischig. Einige der Pinguine hatten hübsche gezimmerte Häuschen, in denen sie brüten konnten und damit sie die Wege der Touristen kreuzen konnten, gab es mancherorts Unterführungen unter dem Menschensteg. An anderen Stellen wurden wir Fußgänger gestoppt und der kreuzende Pinguinverkehr watschelte mit seinen winzigen Beinchen an uns vorbei.

Auch unser Bus musste auf dem Rückweg halten, als eine Gruppe Pinguine vorbei wollte. Die Ranger vom Pinguincenter sorgen hier als Pinguinlotsen für die Sicherheit der kleinen Seevögel. Trotzdem stehen Warnschilder am Parkplatz. Man möge vor dem Losfahren bitte unter dem Fahrzeug nachschauen, ob nicht einer der Pinguine dort Schutz gesucht habe.

Wilson Promontory

Das offizielle WIMA-Programm hatte heute einen freien Tag verkündet. Wir wollten zu viert die Tour fahren, für die uns am Vortag die Zeit zu knapp gewesen war – zum Wilson Promontory Nationalpark. Katja und ich sind am Anfang unseres nun fast drei Wochen andauernden Australienurlaubes bereits dort gewesen und dieser südlichste Punkt von Australiens Festland ist einer der schönsten Orte, die ich je habe besuchen dürfen. Blaues Meer, kleine weiße Strände an malerischen Buchten, ein kleiner, brauner Fluss, Berge, Felsen, Eukalyptuswälder und abends knuddelige Wombats!

Es wurde für mich die schönste Ausfahrt dieser WIMA. Die etwa 120 km lange Route führte an der malerischen Küste entlang und später im Nationalpark bekamen wir kurvigem Asphalt mit atemberaubender Aussicht, dem Geruch von Eukalyptuswäldern garniert mit allerschönstem Sonnenwetter und wieder etwas freundlicheren Temperaturen. Dazu der herrlichste Ausblick auf Meer, Inseln und Strand. Immer wieder hielten wir für Fotos - zu schön war der Anblick, der sich leider häufig nicht mit einer Kamera einfangen lässt.

In Tidal River, dem Zentrum des Nationalparks, teilten wir Pommes und Burger mit den süßen, aber frechen, roten Papageien um anschließend Sonne und Meer am Strand zu genießen.

Viel zu rasch verging die Zeit und nach einer wunderschönen Rückfahrt bei der ich im Kurvenrausch vollkommen vergaß, dass ich auf einem Leihmotorrad sitze, erreichten wir kurz vor Einbruch der Dunkelheit Phillip Island. Abendessen gab es für uns vier in Cowes bei einem Chinesen – um dort die wohl komplizierteste Bestellung meines Lebens aufzugeben. Ich vertrage bestimmte Lebensmittel nicht, zwei von uns wollten veganes Essen und die alte chinesische Bedienung sprach nur sehr schlechtes Englisch. Lecker war es trotzdem und viel besser, als die schlichte Plastikdeko und das trübe Aquarium mit den träge dümpelnden Fischen vermuten ließ.

Später saßen wir noch lange im Shearing Shed, tranken teures Bier (8 Australische Dollar die Flasche) oder herein geschmuggelten Wein. Die Bedienung hatte bereits private Weinflaschen konfisziert. Verständlich, mitgebrachte Getränke sind hier natürlich nicht erlaubt. Des Weiteren konsumierten wir dem Wirt zu wenig, der sich mit uns mehr Umsatz erhofft hatte. Aber bei den horrenden Preisen ist das allerdings kein Wunder! Und die Bar machte meistens zu, lange bevor der harte Kern zu Bett gehen wollte.

Parade

Nach dem Frühstück am Samstag schmückten wir die Motorräder für die Parade und trafen wir uns für das obligatorische Gruppenfoto.

Anschließend schmorten wir in voller Motorradmontur im eigenen Saft bei den inzwischen sommerlichen Temperaturen. Endlich ging es los. In Doppelreihen fuhren wir hupend und winkend einige Runden durch Cowes, der kleinen Stadt auf Phillip Island. Am Wegesrand standen immer wieder Fotografen aus unseren Reihen zusammen mit vielen anderen, neugierigen Menschen. Bis hierhin hatte es mir Spaß gemacht, aber dann bog der Tross in Richtung Brücke und damit zum Festland ab.

Ich erwähnte bereits, dass Kommunikation keine der Stärken der Australierinnen zu sein schien? Ich war nicht die Einzige, die keine Ahnung hatte, was uns bei der Parade erwartet. Mein Tank war fast leer und der Flurfunk hatte mehrfach „halbes Stündchen in der Nähe kreisen“ ergeben. Somit bin ich nicht vorher zum Tanken gefahren, was ich nun bereute und der Tankstelle, an der ich gerade eben vorbeigefahren war, im Rückspiegel sehnsüchtig hinterher blickte. Der Mann vom Verleiher hatte gesagt, wenn das Tanklämpchen angeht, habe ich noch 50 km, „then walking“. Mir blieben noch etwa 30-40 km. Wie weit würden wir fahren?

Inzwischen hatten wir Phillip Island verlassen und fuhren bei 80-100 km/h auf Motorrädern mit angetüddelten Fahnen ins Ungewisse. Ich erwartete ständig, dass irgendwem die Deko vom Bike riss und einen anderen Verkehrsteilnehmer ins Verderben riss.

Es ging nicht anders, ich musste tanken! Katja auch. An einer Tankstelle setzten wir den Blinker und winkten die restliche Meute an uns vorbei, die knatternd aus unserem Blickfeld verschwand. Dafür bekam meine Ducati endlich frisches Benzin – und der Tankwart sowie eine andere Kundin ihre Neugierde gestillt, die erst sich und dann uns fragten, was die viele Frauen auf geschmückten Motorrädern hier machen würden.

Katja und ich fanden später tatsächlich die anderen Motorräder, nur wenige hundert Meter entfernt in einer Seitenstraße, wieder. Es ging nun in einen „Club“. Von derartigen Örtlichkeiten hatte ich bereits gehört, meist gäbe es hervorragendes Essen, allerdings nur für Mitglieder. Das könnte elitär wirken, aber es gibt kostenlosen Tagesmitgliedschaften, die wir jetzt unterschrieben. Ein dunkler Gang mit dickem Teppich führte zu einem Flur, von dem vier oder fünf Gastronomieräume abgingen. Wir setzten uns in einen der Räume zu den beiden Süddeutschen Frauen an einen Tisch. Die Speisekarte, die Preise und der seltsame Ort sagte uns vieren nicht zu und so verließen wir nur Minuten später den Club um lieber Sonne und Meer am Strand zu genießen. Wetterbedingt aber weitestgehend in Motorradklamotten.

Das Farewell-Dinner am Abend war – wie jedes Essen im Shearing Shed - fantastisch! Bei der anschließenden Verlosung gewann ich aber mal wieder nur an der Erfahrung, dass ich bei Verlosungen meist nichts gewinne.

Die Natur tröstete mich und präsentierte dafür zum Abschied einen wundervollen und beinahe schon zu kitschigen Sonnenuntergang.

Abschied

Der Abfahrtstag war gekommen. Ich war früh wach und genoss den Anblick einer wunderschönen im Nebel aufgehenden Sonne. Anschließend würgte ich das letzte Mal den Instantkaffee herunter. Den werde ich nicht vermissen!

Die nächsten Stunden sah man Frauen viel Gepäck auf ihre Maschinen schnallen und hörte die Geräusche abfahrender Motorräder.

Wo man hinschaute, Verabschiedungsszenen. Es wurde geraucht, gewartet, geredet, umarmt, es wurden Karten gefaltet, Routen gesucht, Navis programmiert. Um uns herum nerven die penetranten, australischen Fliegen in der Hitze dieses Tages.

Als wir am späten Vormittag endlich los fuhren, war es bereits ziemlich warm. Wir hatten viel Zeit für unsere letzte Tour mit den Leihmotorrädern zurück nach Melbourne. Unser Flug ging erst am nächsten Abend und der Motorradverleiher hatte als Rückgabezeitpunkt „irgendwann bis Mitternacht“ angegeben. Na so spät muss es dann wohl doch nicht sein.

Wir erkundeten auf der Weiterfahrt die Landzunge westlich von Phillip Island. Dem hier plötzlich zunehmenden Motorradverkehr nach zu urteilen, ist das eine der Hausstrecken der Melbourner. Wundert mich nicht, bei den tollen, kurvigen Straßen mit Wäldern und Hügeln, Steilküsten und Meer. Leider war es heute sehr stürmisch, was meine Fahrweise mit einem vollgeladenen Motorrad recht vorsichtig werden ließ.

Immer am Meer entlang führte unsere Strecke. Wo genau Melbourne anfängt, weiß ich nicht. Aber kurz hinter Mornington, wo wir eine traumhaft schöne, kurvige, kleine Küstenstraße direkt an der Steilküste befuhren und wo hunderte winziger, bunter Häuschen am malerischen weißen Sandstrand standen, war plötzlich alles großstädtisch und hässlich. Bahnschienen, Industriegebiete, durchgehende Bebauung, vierspurige Straßen. Die Riesenstadt hatte uns wieder.

Aber wir waren nicht mehr die, die vor einer Woche mit stotternden Motoren hier losgefahren sind. Und noch viel weniger waren wir die, die vor drei Wochen mit dem Flugzeug in Melbourne gelandet sind. Wir schwammen wie Einheimische mit vollgepackten Leihmotorrädern durch den vielspurigen Linksverkehr, wechselten selbstbewusst die Fahrspuren, wohl wissend, dass die Autofahrer uns gemeinsam wechseln lassen würden. Von Nervosität war bei mir nichts mehr zu spüren, was sicher auch daran lag, dass die kleine, brummelige Ducati Monster perfekt unter meinen Hintern passt. Äußerst ungern gab ich sie bei dem Motorradhändler wieder ab. Der, als wir gegen 17 Uhr offensichtlich als letzte der WIMA-Truppe endlich dort ankamen, längst Feierabend gemacht hatte. Ein Zettel an der Tür verriet uns die Telefonnummer eines jungen Mannes im Nachbarhaus. Wir tauschten die Motorradschlüssel gegen unser vor einer Woche bei Garners abgestelltes Gepäck ich warf noch einen letzten Blick auf das Monsterchen, dann ging es ins Hotel. Duschen und den letzten Abend in Melbourne, den letzten Tag „down under“ genießen.

Schön ist es hier gewesen. Drei Wochen Australien voller kleiner Abenteuer. Kängurus, Koalas und Wombats, unglaubliche Landschaften und so viele Menschen und Eindrücke. Ich werde noch lange brauchen, bis ich all dies – und meine Fotos und Texte – sortiert habe.

Danke liebe WIMA-Organisatoren, dass ihr uns mit dieser Rally dazu gebracht habt, diese einmalige Reise auf uns zu nehmen! Danke für diese unvergesslichen Erinnerungen!

Offizielles WIMA Treffen

19.10. bis 25.10. auf Phillip Island im Staat Victoria.

Phillip Island liegt ca. 120 km südlich von Melbourne. Die Insel wird durch eine Brücke mit dem Festland verbunden. Bekannt ist sie durch die Rennstrecke aber vor allem durch eine Kolonie von etwa 26.000 Zwergpinguinen.

Informationen von den Australierinnen:
WIMA AUSTRALIA INTERNATIONAL RALLY 2015

AT THE SHEARING SHED, GAP ROAD, COWES, PHILLIP ISLAND VICTORIA, AUSTRALIA

Only financial members of WIMA can attend, also member's husband/partner Details of bookings and costs involved to be posted later.

For further information contact Moira Stewart (WIMA Australia President).

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