Reise nach Jurmala Lettland

Am nächsten Tag ging es entlang der Livenküste auf der P 124 in Richtung Kap Kolka, überwiegend geradeaus durch endlose Wälder. Man wähnt sich in Kanada oder Alaska. Die Liven stellen eine eigene, sehr kleine Bevölkerungsgruppe innerhalb der lettischen Bevölkerung dar. Sie sind eines der kleinsten Völker Europas! Ihre Sprache ist mit dem Estnischen und Finnischen verwandt, also finnisch-ugurischen Ursprungs. Da Kultur und Sprache vom Aussterben bedroht sind, gibt es Projekte zum Schutz der livischen Kultur, wie z.B. den Erhalt der alten Fischerdörfer der Liven.

Mare Balticum

Ältester Leuchtturm Lettland

Auf dem Weg zum Kap Kolka machten wir mehrere Abstecher in Richtung Ostsee (Mare Balticum), um uns verschiedene Leuchttürme anzusehen. Die Straßen zu den kleinen Ortschaften sind alle Schotterpisten. In Ovisi besichtigten wir den ältesten Leuchtturm Lettlands (Ovisu Baka 1814). Das Gelände wird als eine Art Privat Museum geführt. Gegen Eintritt darf man auf den Leuchtturm hinaufklettern, was wir auch taten, um von oben einen herrlichen Rundumblick über die Ostsee und ins Landesinnere zu haben. Unten im Garten befinden sich diverse Bojen in allen Formen, Farben und Größen.

Höchster Leuchtturm des Baltikum

In einem weiteren kleinen Ort, Mikeltornis, befindet sich der höchste Leuchtturm des Baltikums mit 62 m Höhe. Auch hier fuhren wir hin und sahen diesen weiß gestrichenen, hohen Leuchtturm allerdings nur von Weitem an.

Historisches Fischerdorf

Ein weiterer Abstecher von der P 124 führte uns nach Kosrags, einem historischen Fischerdorf mit alten Holzhäusern. Die Häuser sind traditionell ohne Nägel hergestellt und zählen zum UNESCO-Weltkulturerbe.

In Kosrags trafen wir zwei Deutsche Touristen auf ihren Fahrrädern. Sie sagten, mit unserern Motorrädern kämen wir nicht über die Forststraße weiter, da diverse Baumstämme den Weg versperrten. Es ging daher zurück auf die P 124.

Kap Kolka

Das Kap Kolka ist eine Touristenattraktion. Es ist der nördlichste Punkt der Halbinsel Kurland (Kurzeme) und gehört zum Slitere Nationalpark. Hier trifft die Ostsee auf den Rigaer Meerbusen, weshalb es auch Kap der zwei Meere genannt wird. Schwimmen in diesem Bereich ist, aufgrund der Strömungen, nicht erlaubt. Man gelangt zunächst auf einen großen Parkplatz mit Souverniershop auf dem wir auch als Motorradfahrer eine Gebühr entrichten mussten. Dann ging es zu Fuß durch einen kleinen Wald weiter zum Strand. Am Meer kann man direkt erkennen, wie die Strömungen aus den unterschiedlichen Richtungen auf das Land zufließen. Die Bäume, überwiegend Kiefern, sind vom Wind gebogen. Da unter uns Motorradfahrerinnen eine Geocacherin dabei war, ließen wir uns am Kap Kolka Zeit zum Gucken und Finden.

Auf der P 131 ging es vom Kap Kolka weiter in Richtung Jurmala. Diese asphaltierte Straße befand sich in einem sehr schlechtem Zustand, mit teilweise großen und tiefen Schlaglöchern, die aufmerksam umfahren werden mussten. Zwischen Mesrags und Engure fährt man ca. 23 km immer am Meer entlang. Auf der landzugewandten Seite befindet sich der Engure-See, das größte Lagunengewässer Lettlands. Es ist Naturschutzgebiet mit einer ornithologischen Station und Brutgebiet zahlreicher Vogelarten.

Berzciems

Etwa in der Mitte dieser Strecke, bei Berzciems, entdeckten wir auf der Meerseite ein Cafè mit großer Sonnenterrasse. Man konnte sich unter großen roten Sonnenschirmen auf eine hochgebaute Holzterrasse setzen und Vögel, wie z.B. Silberreiher beobachten. Das Cafè heißt „Maza Kaija“. Die sehr nette Bedienung brachte uns vom Haus aus eine kalte Tomatensuppe in kleinen Gläsern mit Sahnehäubchen angerichtet. Als Hauptgang gab es Salat mit frischem Fisch. Zu trinken gab es das in Lettland typische „Kvast“, eine Art Malzbier. Das alles für ca. 8 €. Dieses Cafè ist von seiner Lage, seinen selbstgemachten, frischen Speisen und der freundlichen Bedienung sehr zu empfehlen.

Campinplatz Nemo

Nach dem Essen und Verweilen ging es weiter nach Jurmala, unserem Ziel für diesen Tag. Diese Stadt mit ca. 51.000 Einwohnern liegt südlich von Riga und ist der größte Kurort des Baltikums. Viele reichen Russen besitzen dort Villen. Am Abend kamen wir auf dem Campinplatz „Nemo“ in Jurmala an und übernachteten dort das erste Mal in unseren Zelten.

Dieser Campingplatz hat zwar eine schöne Wiese zum Zelten und man gelangt am rückwärtigen Ausgang direkt an die Ostsee, doch das war es auch schon mit den Vorzügen. Dieser Campingplatz ist nicht zu empfehlen. Die sanitären Anlagen sind nicht der Rede wert. Hier machen überwiegend russische Touristen Halt. Dementsprechend laut und feuchtfröhlich geht es dort zu. Positiv zu erwähnen ist die große Outdoor-Bar auf dem Platz. Dort arbeitete ein Barkeeper, der mit einem Anzug bekleidet war, was völlig konträr zum gesamten Ambiente auf dem Zeltplatz war. Er hatte ehemals in einem Hotel als Barkeeper gearbeitet. Großzügig schenkte er uns, den einzigen Gästen an der Bar, Wodka ein, der wie in Russland nach Grammzahl ausgewiesen ist.

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Autorin und Bilder von Christine Wedemeyer

Jäneda, Estland
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