Reise zum Berg der Kreuze in Litauen

Nach einem Frühstück auf der Terrasse mit zwei anderen deutschen Motorradfahren, die wir in dem Hotel getroffen hatten, ging die Reise weiter. Ziel war der Berg der Kreuze in Siauliai in Litauen. Von Valga starteten wir bei Traumwetter über die P 24 in Richtung Smiltene. Weiter auf der A2 Richtung Sigulda durch den Gauja Nationalpark. Die A 2 ist zwar eine staatliche Hauptstraße, doch teilweise ist sie nur einspurig in jede Fahrtrichtung, mit tiefen Einsackungen der Fahrspuren durch Schwerlastverkehr. Mit den Motorrädern mussten wir aufpassen, welche Linie wir fahren, da die Fuhre bei schnellerer Gangart ordentlich zu schaukeln anfing. Als Höchstgeschwindigkeit sind dort sowieso nur 90 km/h erlaubt. Überhaupt entschleunigen die baltischen Länder sehr beim Fahren. Die maximale Geschwindigkeit beträgt 110km/h auf einigen wenigen Straßenabschnitten. Derzeit wird die A 2 weiter ausgebaut. Meistens waren wir zwischen 60km/h und 80km/h unterwegs. Die anderen, kleineren Straßen ließen höhere Geschwindigkeiten schon gar nicht zu.

In Richtung Sigulda sahen wir tatsächlich noch einen Elch, aber da, wo man ihn eigentlich nicht sehen möchte. Das schöne, riesige Tier sprang von links aus dem Gebüsch, um dann im Galopp die A 2 zu überqueren. Dann verschwand es auf der anderen Seite im hohen Gras. Ein Glück ist hierbei niemandem etwas passiert.

Bei Sigulda bogen wir auf die P8 Richtung Malpils ab. Bei Kegums überquerten wir den Fluss Daugava, der an dieser Stelle besonders breit ist. Die Daugava mündet bei Riga in die Ostsee. Hinter der Brücke hielten wir an, um Fotos zu machen. Es zeigte sich ein besonders schöner Sommerhimmel mit weißen Wolken, auf der anderen Uferseite badeten Kinder.

Von Kegums fuhren wir 9 km weiter auf der P 85, um dann auf die P 88 abzubiegen, die nach Bauska führt. Die P 88 ist wohlgemerkt eine Hauptverbindungsstraße zur Stadt Bauska. Barbara und ich sahen nochmal auf unsere Straßenkarten. Meine ist aus dem Jahr 2012, sie hatte eine von MarcoPolo von 2016 dabei. Auf meiner Karte war der überwiegende Teil als Schotterpiste ausgewiesen. In ihrer Karte erschien die Straße asphaltiert. Nach gemeinsamer Absprache entschlossen wir uns, die Straße zu fahren und in Kauf zu nehmen, nocheinmal eine Schottereinlage mit komplettem Gepäck fahren zu müssen. Nach ca. 5 km Asphalt folgte doch eine ca. 40 km lange Schotterpiste (Sand/Steine) durch teilweise unberührte Natur. Nur hier und da gab es vereinzelte Häuser. Die Piste war bei dem sonnigen Wetter trocken und die Orte waren an den Kreuzungen ausgeschildert. Eine Beschilderung hätte ich dort nicht erwartet. Es liefen Rehe über die Straße und eine große Schlange schlängelte sich über den Schotter. Es staubte nur so beim Fahren und hinterher waren wir komplett eingedreckt. Ein uns im Drift entgegenkommender Lieferwagen, der bestimmt mit der doppelten Geschwindigkeit wie wir unterwegs war, tat sein übriges. Zeitweise konnten wir kaum noch etwas sehen. Irgendwann waren wir in Bauska.

Dort fuhren wir auf der P 103 nach Eleja, um über die A 12 zum Berg der Kreuze nach Siauliai zu gelangen. Wir parkten unsere Motorräder direkt oben am Zugang zum Berg der Kreuze, nicht auf dem Parkplatz mit Souveniershop. Der Berg der Kreuze, der nur 10 m hoch ist, gehört zu den nationalen Denkmälern Litauens. Litauer gedachten dort u.a. ihren nach Sibirien verschleppten Angehörigen und stellten Kreuze auf. Der Hügel wurde mehrmals zerstört u.a. wurde er von den Sowjetbehörden mit Bulldozern platt gemacht, doch es wurden zum Zeichen des Widerstandes, immer wieder neue Kreuze aufgestellt. Heute ist der Berg der Kreuze ein Wallfahrtsort und seit 1991 heiliger Ort der Katholiken. 1993 war Papst Johannes II dort.

Berg der Kreuze

Da wir bei schönstem Sonnenschein den Berg der Kreuze besichtigten, hatte er in diesem Augenblick, einen Teil seiner mystischen Kraft verloren. Auf dem Berg sind unzählige Kreuze aufgestellt; große, kleine, mit Inschriften, teilweise kleine dazwischen geworfene Kreuze, Statuen, aufgehangene Rosenkränze etc. Auf einer kleinen Treppe, die auf den Hügel nach oben führt, sahen wir uns das alles an, was sehr beeindruckend war.

Übernachtung in Grafaite

Unterkunft fanden wir für eine Nacht in dem Hotel-Bar Grafaite an der Straße 150, kurz vor Siauliai. Das Hotel machte von außen einen guten Eindruck im Blockhaus-Style. Man konnte die bepackten Motorräder im verschlossenen Hof stehen lassen. Das dunkle Bier vom Faß, welches in Pintgröße (0,568 l) ausgeschenkt wurde, war auch lecker, was man vom Frühstück nicht behaupten konnte. Das Zimmer war klein, dunkel und mit übelsten Betten mit durchgelegenen Matratzen ausgestattet. Für eine Nacht arrangierten wir uns mit dem Zimmer.

Da wir auf dem Weg nach Deutschland nicht mehr die lange Fahrt durch Polen auf uns nehmen wollten, hatten wir für den nächsten Abend eine Fährverbindung bei DFDS Seaways Klaipeda-Kiel gebucht. Die Fähren legen jeden Abend um 22:00 Uhr von Klaipeda ab, die Überfahrt dauert ca. 19 Stunden (inkl. Zeitverschiebung). Am nächsten Tag ist man nachmittags um 16.00 Uhr in Kiel.

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Autorin und Bilder von Christine Wedemeyer

Jäneda, Estland
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