Mit den Motorrädern in die baltischen Länder

Entdeckertour mit Barbara, Susan, Carina und Christine

Reisebericht vom Juli 2017

Erst war ich mir nicht sicher, ob ich diese Reise durch die baltischen Länder mit meiner Ducati Multistrada 1200 (Modell 2013) überhaupt antreten soll. Mit dem Motorrad hatte ich bisher diverse Ausfälle/Defekte. Letztmalig blieb ich im Mai 2017 auf der alten Brennerstraße in Südtirol mit einem Schaltfederbruch liegen.

Der Schock darüber, mit Abschleppen und allem was damit zu tun hat, saß tief. Dank eines enthusiastischen, äußerst hilfsbereiten Ducati Mechanikers aus Bozen konnte das Motorrad wieder zeitnah repariert werden. Dieser Mechaniker sagte, ich solle die Reise mit der Duc ins Baltikum machen, sie würde schon halten….

Um es Vorweg zu nehmen, ich bin gefahren und es war eine meiner schönsten Motorradreisen.

Die Duc hielt die 4125 km anstandslos durch und arbeitete sich auch tadellos auf den zahlreichen Schotterpisten durch. Auf dieser Tour wurde ihr nichts geschenkt. Zwischenzeitlich sah sie aus, wie eine echte „Weltreiseenduro“.

Es ging dieses Mal nicht ums Kurven fahren, schnell fahren, bergauf- bergab, zackig ums Eck biegen… Nein, diese Reise war eine Motorradreise im ursprünglichen Sinn. Es ging um das Entdecken unserer neuen EU-Nachbarn, Land und Leute kennenlernen, Natur erleben, Gastronomie genießen und einfach darum, mit dem Motorrad unterwegs zu sein und zu reisen.

Seit 2004 gehören die baltischen Länder Litauen, Lettland und Estland zur EU und zur Nato. Inzwischen haben sie auch alle den Euro als Währung.

Die Kommunikation in den baltischen Ländern erfolgte problemlos in Englisch.

In den drei Wochen hatten wir Sonne satt mit Temperaturen zwischen 18 und 25 Grad. Durch die nördliche Lage hatten wir teilweise Tage bis zu 17 Sonnenstunden! Perfektes Wetter zum Motorradfahren! Nur an drei Tagen regnete es.

Diese Tour wurde klassisch ohne Navi gefahren. Ich hatte sie vorbereitet und immer eine Straßenkarte mit ausgearbeiteten Road Books im Tankrucksack.

Hierbei möchte ich die Straßenkarten von „Reise Know How“ empfehlen, die reiß- und wasserfest sind, sowie Schotterpisten ausweisen.

Für jedes baltische Land hatte ich eine extra Karte dabei (Litauen 1:325.000, Lettland 1:325.000, Estland 1:275.000). Als Übersichtskarte kann die Straßenkarte von „freytag u berndt“, Baltische Staaten 1:400.000, empfohlen werden.

Meine Mitfahrerinnen waren zwei Frauen vom Motorradstammtisch Women on Wheels Berlin, Susan und Carina, mit denen ich von Berlin aus startete sowie Barbara aus dem Harz. Sie kam an der Raststätte „Biegener Hellen“ Richtung Frankfurt/Oder, dazu. Das war unsere erste gemeinsame Motorradtour, wobei wir alle erfahrene Motorradfahrerinnen sind und schon viel mit unseren Motorrädern unterwegs waren. Susan fährt eine Kawasaki Versys 650, Carina eine alte Yamaha TDM 800, Barbara eine BMW R 1200R und ich meine Duc.

Womens International Motorcycle Association

Wir sind alle in der WIMA (Womens International Motorcycle Association - wima-germany.de) und ist eine internationale Vereinigung motorradfahrender Frauen. Jedes Jahr wird eine europäische Rallye und eine „Übersee“ Rallye von den Frauen der jeweiligen Länder veranstaltet. Rally bedeutet hier ein gemeinsames Motorradtreffen. An einem Tag dieses Treffens wird eine Art „Schnitzeljagd“ veranstaltet, in der es um das Lösen von Aufgaben mit dem Motorrad geht. Die schnellsten Teilnehmerinnen erhalten dann einen Preis.

Die Europäische Rallye 2017 wurde von den estnischen Motorradfahrerinnen ausgerichtet. Das war eine gute Gelegenheit, auf dem Landweg von Berlin nach Estland zu reisen und die baltischen Länder zu erkunden.

Die Fahrstrecke

Unsere erste Etappe brachten wir überwiegend unspektakulär auf der Autobahn bis hinter Warschau, genauer gesagt, bis Ostrow Mazowiecka (ca. 680 km), hinter uns. Die polnische Autobahn ist tadellos in Schuss, kostet allerdings auch Maut. Bis Warschau wurden für jedes Motorrad ca. 25 € fällig.

Es fällt immer wieder auf, dass viele Verkehrsteilnehmer in Polen sehr rücksichtslos fahren. So wurde mir auf der S8 bei Radzymin von einem älteren Ehepaar in einem Pkw die Vorfahrt genommen, indem der Pkw von ganz rechts (Einkaufen an einem Obststand) ohne auf den Verkehr zu achten nach links über die Schnellstraße fuhr, um dann in entgegengesetzter Fahrtrichtung weiter zu fahren. Gedanklich sah ich mich schon in die Seite des Autos einschlagen. Dank einer schnellen Reaktion und wirklich guter Bremsen an der Duc konnte Schlimmeres verhindert werden. Kurz vor dem Auto kam ich zum Stehen.

Mein Herz raste und ich ließ mich erstmal ganz ans Ende unserer Gruppe fallen.

Die erste Unterkunft

In Ostrow Mazowiecka übernachteten wir in einem Hotel namens „Lech“.

Reise nach Klaipeda in Litauen >>

Autorin und Bilder von Christine Wedemeyer

Jäneda, Estland
Zum Seitenanfang