WIMA Estland in Jäneda

Von Kabli fuhren wir am nächstenTag nach Jäneda weiter. In diesem kleinen Dorf in Estland fand im Juli 2017 die WIMA statt.

Von dem Zeltplatz in Kabli fuhren wir Richtung Norden auf der Küstenstraße über Häädemeeste auf die Hauptstr. 4 in Richtung Pärnu. Vor Pärnu bogen wir rechts ab auf die 54 Ri Paikuse immer an dem Fluß Pärnu entlang. Barbara und ich bogen bei Torri auf die 5 ab, um asphaltiert weiter zu fahren, während die beiden anderen Mitfahrerinnen über die Dörfer Jöesuu u. Rahnoja direkt an der Pärnu entlang auf Schotter durch wunderschöne Landschaft weiterfuhren. Hinterher hatte ich mich geärgert, dass wir nicht alle zusammen den Offroadweg weitergefahren waren, denn die 5 entpuppte sich als vielbefahrene, langweilige Straße mit diversen Baustellen darin, die ebenfalls einige trickreiche Umfahrungen, auch auf Sand/Matsch, bereit hielt. Auf der 5 fuhren wir weiter bis Karavete, wo wir dann auf die 13 nach Jäneda abbogen. In Jäneda wurden wir bereits vom Team Estonia erwartet und in die Parkplätze bzw. auf den Zeltplatz eingewiesen. Jäneda ist ein Dorf mit ca. 448 Einwohnern, es liegt ca. 70 km von Tallinn entfernt. Das ganze Dorf stand im Zeichen der WIMA. Das Restaurant mit einer großen Veranstaltunghalle wurde zum Kommunikationsraum. Dort wurde auch gegessen, getanzt und einheimische Volkstänze aufgeführt.

Die WIMA ging von Montag, 17.07. bis Samstag 22.07.2017. In dieser Zeit trafen wir Bikerinnen aus Deutschland, Niederlande, Österreich, Schweiz, England, Frankreich, Finnland, Schweden, Norwegen, Curacao, Japan u.a. wieder, die man nur einmal im Jahr zur Wima sieht. Dementsprechend war die Freude groß. Ca. 200 Frauen nahmen an der WIMA Estland teil.

Gleich am Montag fuhren Verena aus München und ich, obwohl es ziemlich stark regnete, von Jäneda aus auf der 13 Richtung Norden. Wenn ich in einem anderen Land bin, finde ich es spannend zu erkunden, wie die Gegend aussieht, in der ich mich aufhalte. Wir gelangten bei Jöesuu auf eine der vielen Halbinseln. Wir guckten uns einen Wasserfall an und fuhren in den ganz nördlich gelegenen Ort Neeme. Wir fanden zufällig ein Gourmet Restaurant mit Designer Einrichtung. Dieses Restaurant, welches herausragend ist, muss an dieser Stelle ausdrücklich erwähnt werden, weil es eine ganz feine, kreative und frische Küche zu bieten hat. Wir aßen ein kunstvoll angerichtetes Schwarzbrot mit Hering und zum Nachtisch einen Jogurth mit frischen Himbeeren. Wir waren komplett begeistert. Der Standort direkt an der Ostsee ist wunderschön gelegen (www.ruhe.ee).

Barbara und ich starteten an einem anderen Tag in strömenden Regen über die 1 nach Narva (163 km einfache Strecke), ganz im Osten Estlands gelegen, an der Russichen Grenze. Es ist die drittgrößte Stadt Estlands mit einem hohen russischen Bevölkerungsanteil. Narva wollte ich unbedingt sehen. Dort befindet sich der Ost EU Außenposten. Der Fluß“ Narva“ bildet die Grenze zwischen Estland und der Russischen Förderation. Auf der estnischen Seite befindet sich die riesige Hermannsfeste, eine mittelalterliche Festung, die von den Dänen erbaut wurde. Auf der russischen Seite befindet sich die Festung Iwangorod der gleichnamigen Stadt. Von der Anhöhe aus konnten wir auf die Grenzbrücke schauen, auf der Fußgänger hin und her pendelten und PkW`s in einer langen Schlange auf Abfertigung Richtung Russland warten mußten. Ein Straßenschild wies St. Petersburg mit nur noch 143 km aus. Narva selbst machte einen ziemlich heruntergekommenen Eindruck, was durch zahlreiche, riesige wassergefüllte Schlaglöcher in den Straßen und verfallenen Häusern noch unterstrichen wurde. Auf dem Rückweg von Narva nach Jäneda fuhren wir über kleine Straßen an der Ostsee entlang, die in dem Bereich zwischen Voka und Ontika mit Steilküste versehen ist. In Valaste besichtigten wir den „Valaste Wasserfall“, mit 30,5 m ist er der höchste Wasserfall in Estland. Die Aussichtstreppen sind dem Verfall Preis gegeben und waren für Besucher gesperrt. Vom Aussichtspunkt konnten wir den Wasserfall jedoch sehen und hatten gleichzeitig einen schönen Blick auf die Ostsee. Der Rest des Weges zurück nach Jäneda begleitete uns schon wieder Sonnenschein.

Die gemeinsame Motorradparade der WIMA Estonia führte zur Stadt Rakvere. Bei der Anfahrt in die Stadt fiel sofort eine riesige Skulptur eines Auerochsen auf, die von einem estnischen Künstler zum 700-jährigen Jubiläum der Stadt geschaffen wurde.

In Rakvere besichtigten wir die alte Burganlage.

An einem anderen Tag fuhren wir per Bus Shuttles nach Tallinn. Die deutschsprachige Reiseführerin erklärte uns ausführlich, dass Estland ein skandinavisches Land sei. Die Sprache ist mit dem Finnischen verwandt, nicht mit dem Slawischen. Sie sagte, Estnisch sei eine der schwierigsten Sprachen, die Grammatik sei sehr kompliziert. Sie betonte auch immer wieder, wie froh das kleine Land Estland ist, endlich frei zu sein und wieder über sich selbst bestimmen zu können.

Wir besichtigten die Sängerbühne, eine riesige Konstruktion ähnlich einer Muschel. Dort finden die berühmten estnischen Lieder- und Tanzfeste statt. Weltweit die größten Laienchöre treten dort auf. 1988 trugen die Liederfeste zur singenden Revolution bei, um sich von der Sowjetunion zu befreien. Die Liederfeste wurden inzwischen in das UNESCO Weltkulturerbe aufgenommen.

Wenn man als Zuschauer auf die Bühne guckt, kann man im Hintergrund die Ostsee und riesige Kreuzfahrtschiffe sehen.

Tallinn selbst ist sehr touristisch. Umgeben von der alten Stadtmauer, schlenderten wir in der Altstadt umher in der es zahlreiche Geschäfte, Bernsteinläden, Kunsthandwerk, Cafès und Restaurants gibt.

Ein Besuch der Hauptstadt Estlands lohnt auf jeden Fall.

Nach einem üppigen und sehr leckerem Farewell Dinner am Freitagabend ging die WIMA dann leider wieder einmal viel zu schnell dem Ende entgegen. An dieser Stelle ist es Zeit, den estnischen Frauen ein großes Lob für ihre großartige Organisation in dem schönen Örtchen Jäneda, vor allem auch für das gute Essen, bei dem es auch schon zum Frühstück lecker Hering gab, herzlich zu danken. Das habt ihr super gemacht!

Am Samstag hieß es wieder Zelt und alles Gerödel zusammenpacken und wieder zurück in Richtung nach Hause. Auf der Rückreise waren nur noch Barbara und ich zusammen unterwegs.

Als Wasserfan wollte ich unbedingt den riesigen Peipus See sehen, den fünftgrößten See Europas. So fuhren wir von Jäneda über Tamsalu, Väaike Maarja, Lackvere, Arkuse bis Mustfee, direkt am See. Dieser See ist einfach gigantisch groß, 7x größer als der Bodensee. Genau gesagt ist er ca. 143 km lang und bis zu 50 km breit. Eine unvorstellbare Menge Wasser. Ein Teil gehört zu Russland, der Fluss Narva fließt aus dem See ab. Da er an vielen Stellen nicht mehr als 8m tief ist, erwärmt er sich schnell und ist beliebtes Bade- und Freizeitrevier. Wir hielten mit unseren Motorrädern auf dem Parkplatz am Ufer an und gingen zum Strand, an dem einige Kinder im Wasser plantschten. Das Wasser fühlte sich tatsächlich ziemlich warm an, ein Bad nahmen wir aber nicht. An seinem Ufer sammelten wir ausgetrocknete Schneckenhäuschchen und Muscheln, die ich als Andenken immer noch auf meinem Tisch Zuhause liegen habe.

Da eine dunkle Regenwand aufzog, stiegen wir schon bald wieder auf unsere Motorräder und fuhren weiter. Es fing an, aus Kübeln zu regnen. Wir kamen nur bis Raja und kehrten dort in einen Fischimbiss ein, in dem man draußen unter einer großen Überdachung sitzen konnte. Daneben war ein Marktstand, an dem Einheimische die im Garten gezogenen Knoblauch- und Zwiebelknollen, die zu Zöpfen geflochten waren, verkauften. Ferner wurden ganze Eimer eingelegte Gurken, frische Tomaten und anderes Gemüse angeboten. Eigentlich wollten wir noch an dem See weiter entlang fahren. Doch aufgrund der dunklen Regenwolken, die sich genau in dem Bereich auftürmten, fuhren wir über die 3 weiter nach Tartu. Auf dieser Strecke hörte es tatsächlich auf zu regnen. Wir fuhren durch Tartu bis zum Ort Valga an der estnisch/lettischen Grenze. Auf der lettischen Seite heißt der Ort Valka. In Valga fanden wir das Hotel Metsis (www.hotellmetsis.com, J.Kuperjanovi 63, 68207 Valga maakond, Estland). Hier gab es noch ein großes, schönes freies Zimmer für uns. Ein Haus im klassischen Stil mit viel Platz, komfortablen Betten, einer ansprechenden Küche und sehr freundlichem Personal. Das Hotel kann mit gutem Gewissen empfohlen werden.

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Autorin und Bilder von Christine Wedemeyer

Jäneda, Estland
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