Polen 2014

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Video - Impressionen

Dieses Video ist von Kathrin Ewert-Frint. Da die Möglichkeit der Einbettung nicht besteht, schaut es euch bei Youtube an.

Ausstrahlung eines polnischen TV Sender

Bericht von Elke Geier

Pünktlich um 12.00 Uhr war ich, wie vereinbart, am 2. August in Prag. Drei WIMA Frauen, die sich schon tags zuvor dort einfanden, um sich von der tschechischen Hauptstadt verzaubern zu lassen, freuten sich sichtlich, dass ich es geschafft habe, meine Ernte bis zur WIMA einzufahren. Ich muss allerdings sagen, es blieb spannend bis zur letzten Minute, knapper hätte es nicht ausgehen können. Wäre echt schade gewesen, wenn ich nicht in der Gruppe hätte reisen können. Ja ihr lest richtig, ich, die so gerne alleine unterwegs ist, hatte das Bedürfnis in Gesellschaft zu reisen. Allerdings war das nicht grundlos. Osteuropa hat nach wie vor bei mir einen anrüchigen Touch und in der Gruppe verspürte ich Sicherheit. Ich denke, damit stehe ich nicht alleine da!

Wo wir heute nächtigen, wussten wir noch nicht. Wir wussten nur, wir wollten möglichst nah bis an die slowakische Grenze kommen - und das über Land. Die 32°C zermürbten uns und so war jeder Stopp zur Erfrischung willkommen, was natürlich die Tageskilometerleistung beträchtlich schmälerte. Mit Olmütz, einer überschaubare Kleinstadt, hatten wir unser Tagesendziel erreicht.

Böhmen und Mähren, Regionen die mit der deutschen Geschichte eng verbunden sind, bekamen für mich mit dem heutigen Tage ein Gesicht. So, Olmütz ist also ein Erzbistum, beherbergt eine Universität und Handelsstadt. Nun erklären sich für mich auch die vielen prunkvollen Bauten! Wie in den ganzen ehemaligen ostdeutschen Gebieten stoßen wir auch hier auf jüdische Geschichte, die ja in Polen noch intensiver wird!

Circa 260 km trennten uns noch von Zakopane, eine gedachte kurzfristige Angelegenheit, die sich zur langfristigen entwickelte. Das Thermometer kletterte wieder auf 32°C. Die Straßen in der Slowakei wurden zur Herausforderung, zumindest für die Lenkerinnen von Straßenmaschinen und was auf der Landkarte nach wenig Ortschaften mit viel Natur aussah, entpuppte sich als falsch. Hier reihte sich eine Ortschaft an die andere, es war zum Verzweifeln. Die Motorradklamotten klebten am Körper und ich beneidete die einheimischen Motorradfahrer die uns leicht bekleidet begegneten. Trotz der Umstände hätte mich nichts dazu bewegen können, es ihnen gleich zu tun.

Bei einem Tankstopp kurz vor der slowakischen Grenze machten wir die Begegnung mit einem Motorradfahrschüler.Schaut euch am besten das Bild an, um zu verstehen wie man in Tschechien Motorrad fahren lernt.

Schüler und Lehrer auf einer Maschine und wie beim PKW hat der Fahrlehrer seinen eigenen Lenker und Pedale. Irre was es doch alles gibt!

Woher weiß denn Sabine, die meist vorne wegfährt, wann die Geschwindigkeitsbegrenzungen zu Ende sind? Ich sehe nie eine Schild, die diese aufhebt! Aha - das Navi teilt es ihr mit, ist eine Sache der Einstellung und somit verstehe ich auch allmählich, dass diese, wenn sie angezeigt werden, oft nur kurzfristig sind und sobald ein Hindernis oder Gefahrenquelle passiert ist, aufgehoben ist. Oh Deutschland, du und dein Schilderwald! Es geht auch anders! Wir nähern uns dem Orava Stausee in der nördlichen Slowakei kurz vor der polnischen Grenze. Eine Gewitterfront kommt auf uns zu und zwingt uns zu einem unfreiwilligen Halt. So schnell wie es gekommen war, verzog es sich glücklicherweise wieder und wir konnten die letzten Kilometer nach Zakopane trockenen Fußes fortsetzen. Nach der Grenze in Polen an einer Abzweigung winkte uns ein Motoradfahrer zu und gab uns zu verstehen mal anzuhalten. Ich dachte erst, es ist eine der WIMA Fauen. Schnell stellte sich jedoch heraus, dass es ein Italiener war mit seiner Tochter als Sozia und einer gut ausgerüsteten 1200er GS, dessen Navi versagt hat und der nun die Abzweigung zur Slowakei suchte. Natürlich konnten wir ihm behilflich sein, denn Frau fährt ja trotz Navi nicht ohne Karte! Außerdem kamen wir ja gerade aus der Slowakei.

Kurz nach Chocholow, Touristenattraktion wegen seiner gut erhaltenen vielgiebligen Holzhäusern, bogen wir schon nach Koscielisko bei Zakopane (Polens berühmtes Skigebiet) wo unser Hotel sich befand, ab.

Habt ihr gewusst, dass die weibliche Bevölkerung in der Osterzeit diese aus Balken gebauten Häuser mit Seifenlauge abwäscht, damit ihre natürliche Holzfarbe erhalten bleibt?!

An der Abzweigung zum Hotel stand schon Verena unsere WIMA Präsidentin mit anderen Frauen, um die ankommenden Frauen freudig zu begrüßen. Wir waren glücklich endlich am Ziel zu sein. Obwohl die WIMA offiziell erst morgen beginnt, haben sich am heutigen Sonntag schon sehr viele Frauen eingefunden. Altbekannte Gesichter mischten sich mit neuen und nachdem mein persönliches Begrüßungszeremoniell vorerst ein Ende gefunden hatte, ging ich in die Bar, um mir ein kühles Bier zu genehmigen. Beim Bezahlen brachte ich die Bedienung zur Verzweiflung, da sie kein Wechselgeld mehr hatte, weil wir alle mit Scheinen zahlten. Für die meisten von uns gab es bisher noch keinen Anlass in den Genuss von Münzen zu kommen. Tags drauf war es schon besser und wir mussten auch kein warmes Flaschenbier mehr konsumieren. Lag zu einem daran, dass die Barcrew realisiert hatte wie durstig Wimafrauen sind und über ausreichend gekühltes Flaschenbier verfügte und zum anderen an uns, weil wir realisierten, dass das polnische Bier aus dem Zapfhahn auch wohlschmeckend ist.

Montag

Am heutigen Montag, dem offiziellen WIMA Beginn setzte ich mich trotz trüben Wetters aufs Motorrad, um die angebotene Tour durch die Hohe Tatra auf slowakischer Seite zu fahren. Mir taten es andere gleich und so begegnete ich auf der Route immer wieder WIMA-Frauen. Der Welcomeabend mit seinem kulturellen Programm, vermittelte einen Einblick in die Tradition der Goralen, dem Volkstamm der in der Tatra heimisch ist.

Dienstag

Am Dienstag gab es eine Busfahrt nach Krakau, die einst Hauptstadt von Polen war. Wie so viele Städte hat auch Krakau seine Geschichte. Der Wawel ist die ehemalige Residenz der polnischen Könige und mit der Altstadt Weltkulturerbe. Die Altstadt geprägt vom Baustil vieler Epochen, lässt den Wohlstand der Stadt erkennen, der mit dem Salzabbau und Handel im Mittelalter verbunden ist. Ich staune als ich erfahre, dass in Krakau die zweitältesten Universität Europas ansässig ist und dass „Schindlers Liste“ die Geschichte des Krakauer Gettos wiedergibt und nicht vermeintlich wie ich geglaubt habe das des Warschauer Gettos.

Mittwoch - Parade

Es ist WIMA-Halbzeit und für den heutigen Tag ist die Parade angesetzt. Es gab in der Nacht erhebliche Regenschauer, die immer noch andauern und Straßen wegbrechen ließen oder mit Geröll überspülten. Wird sie stattfinden die geliebte Parade? Nur zögerlich friemelten wir uns in unsere Regenkombis. Ich schätze mal 80 - 100 Frauen konnten sich motivieren und so fand sie trotz Regen statt. Auch diesmal habe ich wieder dieses „Paradekribbeln“. Das hat schon was, sich in einer endlos scheinenden Kolonne aus motorradfahrenden Frauen einem Ziel zu nähern und sich dabei von den Passanten am Wegrand zuwinken zu lassen! Und wenn man dann noch vom slowakischen TV interviewt wird, ist man gerne motorradfahrende Landwirtin! (Insider).

Donnerstag - Rallytag

Die diesjährige Rallye war ein Zeitfahren mit 9 Checkpoints. Die Rückseite des am Tag zuvor entstandenen Gruppenfotos, diente als Abstempeldokument. Wer alle Checkpoints absolvierte, wurde zum Schluss mit dem Lösungswort „RALLY 2014“ belohnt.

Am Ziel

... gab es eine Überraschung:

Die meisten haben es geschafft, bevor es wieder einen Regenschauer gab, unsere Unterkunft zu erreichen. Also ich für meine Person war froh dass wir, für eine WIMA außergewöhnlich, in einem Hotel mit Halbpension kampierten. Bei den Wassermengen die sich über Zakopane ergossen, wären wir auf einem Campingplatz mit Sicherheit abgesoffen. Eine Gruppe von ca. 40 Frauen entschied, anstatt an der Rallye teilzunehmen, nach Ausschwitz zu fahren. Sichtlich betroffen von dieser geschichtsträchtigen Stätte kehrten sie nach einer Buspanne verspätet zurück.

Freitag

Der gestrige Abend hat seine Spuren bei mir hinterlassen. Anstatt die Vertikale auf dem Motorrad zu genießen, tat ich es meiner Zimmerkollegin gleich und bevorzugte die Horizontale. Ausgeruht schwang ich mich am Nachmittag auf meine Maschine um nochmals die Rallyeroute abzufahren. Dies gelang mir allerdings nicht. Ein Fahrradrennen bescherte mir jede Menge Umwege, aber auch neue Wege. Ein paar Frauen, die auch das gleiche im Sinn hatten wie ich, konnten sich durchschmuggeln und wurde von den Passanten als motorisierte Vorhut im Zieleinlauf der Radrallye begrüßt. Apropos Spuren hinterlassen, gab es doch wirklich ein paar Frauen, die auf die Idee kamen die Dreckspuren, die der Regen an ihrem Motorrad hinterlassen hat, wegzuputzen. Auf einer WIMA gibt es doch nichts, was es nicht gibt.

Der Einfallsreichtum der WIMAs wurde heute am Abschlussabend, so richtig deutlich. Der „Bunte Abend“ wurde zu einem Selbstläufer. Was da spontan aus der guten Stimmung heraus aufgeführt wurde, war phänomenal. Allen voran die Engländerinnen mit ihrer Trommeleinlage und die Holländerinnen brachten mit einfachen Episoden die Ereignisse der vergangenen Tage auf den Punkt.

Es war großartig was die polnische WIMA-Präsidentin Maura Raniecka und ihr Team (nur eine handvoll Leute) für uns, die 250 Teilnehmer/innen aus 15 Nationen, auf die Beine gestellt haben, um ihre WIMA für uns unvergesslich zu machen.

Samstag - Abreisetag

Wie immer samstags traten wir die Heimreise an. Wer es sich zeitlich erlauben konnte, hatte sich im Vorfeld, oder wie wir im Nachhinein, noch ein paar Urlaubstage gegönnt. Kulturell war es für mich die intensivste WIMA. Neben historischen Orten wie Auschwitz, besuchten wir Prag an der Moldau, Krakau an der Weichsel, Breslau an der Oder und Dresden an der Elbe und was es mit den Zwergen in Breslau auf sich hat, erfährt man am besten, wenn man sie sucht! Übrigens wir haben ihn gefunden, den Motorradzwerg!

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